Neuraltherapie bei akuten und chronischen Schmerzen

Schmerzen sind eine klassische Indikation für die Behandlung mit Neuraltherapie. Neuraltherapie wird erfolgreich eingesetzt bei den vielfältigen Arten von Kopfschmerzen, Nacken-, Rücken- oder Gelenkschmerzen, Schmerzen durch Verletzungen oder Entzündungen. Sie kann aber auch bei Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen), also Schmerzen bei jeglicher Form von Neuralgie, Polyneuropathie, Nervenverletzung, die gegenüber den üblichen Schmerzmitteln nicht besonders gut ansprechen, gute Behandlungsresultate erzielen.

 

Teile der Neuraltherapie finden sich bereits in den konventionellen Behandlungen: der "interventionellen Schmerztherapie" und der diagnostischen und therapeutischen Lokalanästhesie. Diese Verfahren sind der lokalen Neuraltherapie und Segmenttherapie eng verwandt. 

 

In der Neuraltherapie ist es darüber hinaus allerdings üblich, entsprechend den neurophysiologischen Zusammenhängen Injektionen zu kombinieren. Neuroanatomische und neurophysiologische Kenntnisse des vegetativen Nervensystems sind dabei für den Erfolg der Therapie von besonderer Bedeutung. Neuraltherapie kann und darf gegebenenfalls auch Störfeldbehandlung einbeziehen, was bislang noch zur Komplementärmedizin gezählt wird.


Was passiert bei Schmerz?  -  Schmerzgedächtnis - Wie funktioniert das?

Schmerzbehandlung mit Neuraltherapie, Praxis für Neuraltherapie in Hamburg
Neuraltherapie bei Schmerzen

Schmerz ist ein Alarmsignal, die zu schneller Reaktion führt  (Flucht oder Abwehr, Vorbeugung). Ein akuter Schmerz ist also sinnvoll. Unsere Schmerzwahrnehmung verfügt über eine Gedächtnis, sie kann lernen. Jeder an der selben Stelle hinzukommende Schmerzimpuls wird stärker beantwortet. Einerseits ist dies gut, um weiteren Schmerzen zu entgehen. Teils führt dies aber auch zu überschießende Reaktion, weit mehr Schmerzen, als notwendig wären.

Starke und wiederholte Schmerzreize können nachweislich Veränderungen an Nervenzellen bewirken. Sie bilden mehr Verbindungen, werden übersensibel (teils spontanaktiv) oder gehen zu Grunde. Selbst nach Abheilen einer Verletzung kann die Schmerzinformation von überaktiven Nervenzellen noch zum Gehirn weitergeleitet werden.

Unser Körper verfügt über Nozizeptoren, die darüber informieren, wenn etwas passiert, dass ihm nicht gut tut (mechanisch, chemisch oder temperaturbedingt). Sie leiten diese Informationen als Schmerzinformation weiter. Diese Information wird weitergeleitet und kann, wenn sie intensiv genug ist dazu führen, dass durch Nervenzellen im Rückenmark unsere Nozizeptoren noch empfindlicher werden. Gleichzeitig baut sich der Pfad der Schmerzwahrnehmung in unserem Nervensystem seinen Weg weiter aus, nimmt Kontakt zu Hirnstamm und dem Thalamus auf, dem Tor zu unserem Bewusstsein.  Durch diese Vorgänge wiederum ändern sich auch Aktivitäten im Rückenmark und unsere Schmerzwahrnehmung wird noch empfindlicher. Geschieht dies oft und immer stärker, resultiert ein chronischer Schmerz, der auch dann noch anhält, wenn die eigentliche Ursache bereits deutlich gebessert oder sogar verschwunden sein kann.

 

Was ist das Besondere an der Schmerzbehandlung mit Neuraltherapie?

Durch die Injektion, also den Stich selbst, werden schnell-leitende Schmerzfasern aktiviert. Bei Eintreffen der Information im Rückenmark kommt es zu einem Phänomen, das man "gate control" nennt. Der neue Reiz "übertrumpft" die von langsamer leitenden Schmerzfasern permanent angebotene Information aus diesem Gebiet. Diese können das "Gate" oder Tor für eine gewisse Zeit nicht mehr passieren.  Dies ist ein Phänomen, das Bestandteil einer ganzen Reihe von Schmerztherapien ist (auch Akupunktur, TENS-Geräte u.ä.).

Neuraltherapie hat aber noch eine weitere Möglichkeit, den Circulus vitiosus chronischer Schmerzen zu durchbrechen: die kurzzeitige Betäubung. Ähnlich wie bei einem Computerprogramm haben die Nervenbahnen beim erneuten "hochfahren" die Möglichkeit sich neu zu entscheiden. Im optimalen Fall werden dann im Rückenmark und Gehirn nicht die schmerzverstärkenden, sondern die schmerzhemmenden Bahnen aktiviert. Gleichzeitig  werden am Ort der Injektion durch den Neustart des vegetativen Nervensystems und Wirkung des Medikaments selbst Durchblutung, entzündliche Vorgänge und vieles mehr beeinflusst, was dem erneuten Entstehen des Schmerzreizes entgegen wirken kann.